Das sind die auffälligsten Spieler der Liga – Rang 50 bis 41
Wer sind die Besten? Diese Frage ist nie zu beantworten. Auch nicht durch die Statistik. Diese Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder gar unumstössliche Wahrheit. Sie ist vielmehr eine Einladung zur Diskussion, zum Widerspruch. Denn genau davon lebt ja das Eishockey als wichtiger Teil unserer Unterhaltungs- und Erregungs-Industrie: von Emotionen, Meinungen, Polemik – und von Spielern, die mehr sind als blosse Namen in den Statistiken.
Diese Saison sind bisher 404 Feldspieler und 31 Torhüter eingesetzt worden. Aufmerksamkeit ist da eine knappe Ressource. Jede Partie, jede Linie, jede Rolle bringt neue Geschichten hervor. – grosse und kleine, laute und leise. Aus dieser Fülle eine «Top 50» Liste zu erstellen, bedeutet deshalb nicht, die objektiv «besten» Spieler zu küren, sondern ein paar hervorzuheben, die auffallen, überraschen, prägen oder alle Erwartungen übertroffen und ein Maximum aus ihren Möglichkeiten gemacht haben. Und Spuren und Erinnerungen hinterlassen.
50 Leonardo Genoni 🇨🇭
Torhüter (38), Zug
Ist es eine billige Provokation, den besten Torhüter und MVP der WM, den dreifachen WM-Silberhelden und siebenfachen Meister auf den 50. und letzten Platz zu setzen? Nein. Diese Saison war er bisher in Zug ein sehr guter Torhüter mit einer durchschnittlichen Statistik, die eine Aufnahme in die interessantesten 50 nicht zwingend erfordert. Aber Leonardo Genoni ist auch mit 38 noch immer gut genug, um dann, wenn es wirklich drauf ankommt, Siege zu stehlen und ein Hockey-Romantiker mit Blick auf die Playoffs kommt einfach nicht darum herum, ihn in die «Halbzeit-Hitparade» aufzunehmen. Einen Titanen sollte man nie unterschätzen. Erst recht nicht, wenn er Leonardo Genoni heisst.
49 Chris DiDomenico 🇨🇦
Stürmer (36), Ambri-Piotta
Sein Einfluss auf Ambris Offensive allein würde eine Aufnahme in die «Top 50» noch nicht unbedingt erfordern. Bemerkenswerter als seine Spielmacher-Qualitäten ist seine Wandlung vom Saulus zum Paulus. 2014 kommt er bei den damals noch zweitklassigen Langnauern als Rock’n’Roller und Rebell in unser Hockey und interpretiert seine Rolle wie ein Frontman einer Rockband. Noch während der Saison 2020/23 bringt er in Bern die beschaulich gewordene Leistungskultur und die Autorität von Trainer Johan Lundskog wie ein «taktischer Freiheitskämpfer» durcheinander. Und nun erleben wir diese Saison den einstigen Rockstar als leisen Philharmoniker. Entsprechend ist seine Rolle die des Spielmachers und nicht mehr des Vollstreckers. Und vieles spricht dafür, dass er diese Saison so wenig Strafminuten wie noch nie in unserem Hockey verbüssen wird (weniger als 30 Minuten).
48 Jan Rutta 🇨🇿
Verteidiger (35), Genf
Vergangener Ruhm kann hohe Erwartungen wecken: Wer 2020 und 2021 Stanley Cup-Sieger und 2024 Weltmeister mit Tschechien war, müsste theoretisch die Liga dominieren. Aber Jan Rutta kam mit dem Ruf, ein Defensiv-Verteidiger im Weltformat zu sein. Die bange Frage war: Würde er im Herbst seiner Karriere noch rank und flink genug für unser Tempohockey sein? Und siehe da: Er ist es und auf dem besten Weg, zum ersten Mal seit er 2017 seine Heimat Richtung Nordamerika verlassen hat, mehr als 30 Skorerpunkte zu produzieren. Als defensiver Musterknabe trägt er überraschend viel zum offensiven Wohlergehen bei und spielt bei der Servette-Renaissance vom Krisenteam zum erneuten Titelanwärter eine wichtige Rolle.
47 Kyen Sopa 🇨🇭
Stürmer (25), Ajoie
Er hat bereits nach 33 Partien seine bisherige NL-Bestleistung (5 Tore/14 Punkte) übertroffen. Im sechsten NL-Jahr ist er endlich Stammspieler geworden. Erstmals gelingt es ihm, seine Leidenschaft, seine Energie und sein Talent in Tore und Assists umzumünzen und mehr als bloss ein offensiver Farbtupfer zu sein. Als SCB-Junior füllt er die Netze. In seiner besten Saison kommt er in 41 Spielen auf 56 Punkte und hält sich anschliessend in zwei Jahren wacker auf höchstem nordamerikanischem Junioren-Level (107 Spielen/77 Punkte). Er gilt bei seiner Rückkehr in die Schweiz im Sommer 2020 als künftiger 30-Punkte-Skorer.
Aber in Bern, bei den ZSC Lions und in seiner ersten Saison bei Ajoie wird er nicht Stammspieler und jedes Jahr auch in der Swiss League eingesetzt. Aber er gibt nie auf und es gibt nicht viele Spieler, die so beharrlich an der Erfüllung ihres Traumes gearbeitet und so geduldig auf ihre Chance gewartet haben. Nun in seiner sechsten NL-Saison und mit 25 Jahren doch noch in der höchsten Spielklasse angekommen. Um definitiv zu bleiben. Sein Vertrag läuft bei Ajoie bis 2027. Er wird zum ersten Mal in seiner Karriere mehr als 20 Punkte erreichen.
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46 Fabio Hofer 🇦🇹🇨🇭
Stürmer (34), Biel
Im Januar ist er 34 geworden, zelebriert sein bestes Hockey und ist auf bestem Wege, seine persönlichen Bestwerte (17 Tore, 39 Punkte) diese Saison zu übertreffen. Österreichs Antwort auf Lino Martschini und Toni Rajala stoppt mit Tempo, Beweglichkeit, Spielintelligenz und Schusstechnik offensichtlich den Alterungsprozess und schultert mit fast 20 Minuten auch noch am meisten Eiszeit von allen Stürmern. Sein goldener Offensiv-Herbst basiert nicht etwa auf defensiver Verantwortungslosigkeit: Er weist in der Plus/Minus-Bilanz einen soliden Wert auf. Die Zukunft könnte aufregend werden: Nächste Saison kommt sein Landsmann Dominic Zwerger und vieles spricht dafür, dass wir in Biel die beste österreichische Flügelzange der Geschichte sehen werden.
45 Jesse Puljuvärvi 🇫🇮
Stürmer (27), Genf
Ein Titan und Powerflügel, der unsere Liga wie erwartet rockt und in Genf sein Glück und seinen Frieden gefunden hat. Servette ist sein 7. Arbeitgeber seit 2022 und er ist nun mit 27 im besten Alter, um nach neun wechselvollen Jahren in Nordamerika in Europa seine Karriere neu zu lancieren. Seine Kritiker in der NHL monierten, er sei schwierig ins Team und in ein System zu integrieren, weil er entweder nicht verstehe, was der Trainer sage oder einfach nicht gewillt sei, zuzuhören. Nun denn: Trainer Ville Peltonen gibt ihm die Anweisungen in seiner Muttersprache und auf dem Eis ist die Unterhaltung sowieso besser, wenn sich einer nicht zu streng an taktische Vorgaben hält.
44 Robin Grossmann 🇨🇭
Verteidiger (38), Biel
Er ist einer der letzten «Zeugen Del Curtos»: Unter Kulttrainer Arno Del Curto stemmte er 2009 und 2011 den Meisterkübel in die Höhe und die meisten haben schon vergessen, dass auch er 2013 zu den WM-Silberhelden gehörte. Nun hilft ihm in Biel, dass er in stürmischen Zeiten in Davos gereift ist: Beim Neuaufbau des Finalisten von 2023 spielt er in der Defensive eine väterliche Schlüsselrolle. Sein Erfolgsgeheimnis ist die Gelassenheit. Hektik ist ihm auch in heikelsten Situationen fremd. Er sieht und findet immer eine Lösung, weil er die feinen Hände hat, um das umzusetzen, was er mit seiner aussergewöhnlichen Spielintelligenz auf dem Eis gelesen hat. Mit dem ihm eigenen Mix aus Seriosität, Selbstironie, Humor und Lockerheit ist der ehemalige Kloten-Junior auch im fünften Jahr bei Biel auf dem Eis und in der Kabine weiterhin unverzichtbar und sein Vertrag ist bereits vorzeitig um ein Jahr verlängert worden.
43 Phil Baltisberger 🇨🇭
Verteidiger (30), Langnau
Neuer Klub, neue Rolle, neues Glück: Er ist bereits 30 und wenn in Langnau nicht noch der Kirchturm auf den Gasthof Bären kippt, dann wird er diese Saison neue persönliche Rekorde (Tore, Assists) erreichen. Seine bisherige Bestmarke (11 Punkte) hat er bereits nach 31 Partien egalisiert und mit mehr als 20 Minuten bekommt er Eiszeit wie nie zuvor in seiner Karriere. Er ist vom Rollenspieler bei den ZSC Lions mit weniger als 9 Minuten zum wichtigsten Schweizer Verteidiger in Langnau gereift und im Herbst seiner Karriere am Ort seiner Bestimmung angelangt. Er steht für eine Weisheit, die schon der Weltenherrscher Julius Cäsar verkündet hat: Lieber der Erste im Dorf als der Zweite in Rom – aufs Hockey übertragen: lieber ein Dorfkönig in Langnau als ein Hinterbänkler in Zürich.
42 Alain Graf 🇨🇭
Stürmer (20), Bern
Die Krise eines Teams muss nicht zwangsläufig zu einer Formkrise eines Spielers führen: Alain Graf ist sozusagen der «Krisengewinner» beim SC Bern. Er kommt 2020 aus Thun in die SCB-Nachwuchsorganisation, gilt bald als eines der interessantesten Talente im Land und nun ist er in schwierigen Zeiten in der höchsten Spielklasse angekommen. Er ist der vielversprechendste junge Mittelstürmer unseres Hockeys, mit einer – gemessen an seinem Alter (20) – starken Persönlichkeit. Er kann bereits einen Block ruhig und überlegt führen und auf alle Situationen eine Antwort finden. Mit seiner guten Postur, der physischen Präsenz und der Ruhe im Spiel mahnt er Optimisten an Gil Montandon und mit Vertrag bis 2029 kann er sich in Ruhe auf seine sportliche Weiterentwicklung konzentrieren.
41 Davyd Barandun 🇨🇭
Verteidiger (25), Davos
Er mag offensiv ein ewiger Hinterbänkler bleiben und bei zehn Skorerpunkten pro Saison ein Fass aufmachen. Aber er ist ja Verteidiger und keiner hat in der Liga bisher in dieser Saison so immense defensive Fortschritte gemacht. In bisher fünf Jahren mit dem HCD hat er nur zweimal eine Plus-Bilanz erreicht und auch die beste war mit +2 bescheiden. Und nun weist er mit +19 die besten Werte aller Schweizer Verteidiger der Liga auf. Nächste Saison wird es ihm obliegen, die SCB-Abwehr zu stabilisieren – da hat der SCB wohl eine defensive Rolex in der Transferbrockenstube gefunden.
